Yamaha SR-500

Yamaha SR-500 48T

Mit 18 träumte ich von einer Yamaha SR-500. Leisten konnte ich sie mir nicht. Es wurde dann eine Yamaha RD-200, aber das ist eine andere Geschichte. 25 Jahre später, nach 24 Jahren Motorrad Abstinenz legt sich auf einmal Nachbar Holger ein Motorrad zu und irgendwie kommt bei mir die Frage auf, warum er und nicht ich auch? Es dauert keine zwei Wochen und da steht für mich fest, ein Motorrad muss her und klar ist eins: Es muss eine Yamaha SR-500 werden!

Auf der Suche

Also stöbere ich in den angesagten Online Börsen, SR-500 Foren und der einschlägigen Literatur, um mir ein Bild von meinem Jugendtraum zu machen, denn gefahren bin den Eintopf noch nie. Mit dem Gelände Pendant, der Yamaha XT-500, habe ich damals mal ein paar Runden drehen dürfen und die Erinnerungen sind noch halbwegs wach. Ein richtig uriges Männermotorrad mit dem Fokus auf das Wesentliche. Kein Schnickschnack, wie E-Starter oder so.
Das Angebot an SR-500 ist nicht gerade knapp 2004, aber ich habe schon ein recht klares Bild von meinem neuen Motorrad. Möglichst perfekter Zustand, wenig km und eine der letzten gebauten Maschinen vom Typ 48T soll es sein, wo nach ich in diesem Frühsommer Ausschau halte. An zwei Samstagen folgen dann Besichtigungstouren mit Holger, der mich in meinem Wunsch an diesem doch schon etwas speziellen Motorrad unterstützt. Eins hat er mir voraus, er ist nicht nur schon eine Yamaha SR-500 gefahren, er durfte auch schon eine sein eigen nennen, aber das ist nun auch schon lange her. Aber die angebotenen Eintöpfe entsprechen nicht gerade meinen Vorstellungen. Und das soll also angeblich “super gepflegt” oder “Topzustand” sein. Da frage ich mich allen Ernstes, wie sehen durchschnittlich gepflegte Moppeds aus? Auch wenn ich langsam ungeduldig werde und kurz davor bin, bei der ein oder anderen SR-500 zuzugreifen, ich bleibe standhaft, die Richtige wird schon noch kommen.
Nach sechs Wochen intensiver Suche werde ich nun endlich fündig. Bei Mobile.de ist das Stück meiner Begierde annonciert: “Erstzulassung 1997, Baujahr 1996, 16.200 KM gelaufen, maroon/beige, sehr guter Zustand” steht in der Anzeige. Also angerufen und Termin gemacht – asap – jetzt musste es ‘was werden!

Fündig geworden

Und tatsächlich, die Basis ist ordentlich. Vor meinem geistigen Auge, nach ein paar Samstagen putzen und pflegen, sehe ich sie schon in einem 2er Zustand vor mir stehen. Jetzt noch die Probefahrt – oh grauß der Kickstarter. Der freundliche Verkäufer erklärt mir zweimal die Prozedur – aber ich schwinge mich auf den Bock ohne die Maschine selbst angekickt zu haben und drehe eine Runde um den Block. Ist schon ein komisches Gefühl nach 25 Jahre ohne Motorrad Praxis und dann noch bei regennasser Straße, Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen.

Also schnell den Deal perfekt machen! Leichten Herzens blättere ich die 1.620 Euro für das gute Stück auf den Tisch des Erstbesitzers und mache mich sofort auf die 60 km lange Heimfahrt. Kurz vor dem Ziel muss dann doch kommen, was da kommen muss: Rote Ampel und bei grün würge ich den mächtigen Einzylinder ab. Also ankicken! Oh Gott, ich kicke und kicke aber die Maschine will einfach nicht anspringen – aber der Verkäufer hatte doch vorhin den Motor so leichtfüßig zum Leben erweckt. Kühl und feucht ist es an diesem Mittwoch im Mai, aber mir rinnt schon der Schweiß in Sturzbächen den Rücken herunter – und da, na also sie läuft wieder.
Später lasse ich mich dann von meinem freundlichen Schrauber in die Geheimnisse des SR-500 Startens einweihen. “Der Choke ist das Sensibelchen – nur ziehen, wenn der Motor wirklich kalt ist”, sagt Roland Briel und kickt souverän einmal und der Motor läuft.

Da die Yamaha SR-500 beim Vorbesitzer längere Zeit auf dem Bürgersteig unter einer Plane stand, war erstmal putzen, putzen, putzen angesagt und dann habe ich sie wieder hingekriegt, so wie ich sie immer in meinen Täumen gesehen habe …
 

 

Text und Fotos: Reinhard Dutschke

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