Probefahrt Ferrari Roma

PROBEFAHRT: Ferrari Roma

Roma-ntisches dolce Vita: Probefahrt im neuen Ferrari Roma

Manchmal bekommt man ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. – Oder nicht ablehnen will.

Insbesondere, wenn man einen Anruf von Ferrari Deutschland/Lueg Sportivo erhält, ob man den brandneuen Ferrari Roma probefahren möchte. Diese Aussicht wirkt wie ein Farbtupfer in diesen grau-bleiernen Corona-Zeiten. Wer lehnt also solch ein Angebot ab?

Ich sicher nicht. Den Terminkalender freigeräumt und sich mit den Eckdaten der neuesten Kreation der italienischen Edelschmiede vertraut zu machen, ist eins.

Roma – das ist eine klare Rückbesinnung auf die Ursprünge der mythischen Marke Ferrari, eine Rückbesinnung auf die goldenen 1960er Jahre, als man in Maranello vor allem elegante Gran Turismos baute. Eine Rückbesinnung auf die Zeit, als die Hautevolee mit eleganten sportlichen Reisewagen wie dem Ferrari 250 GT, dem 275 GTB oder dem 365 GTC zu mondänen Orten wie San Remo, Nizza oder Sestriere fuhr und dort das süße Leben („la dolce vita“) genossen hat. Der Name Roma steht denn auch für eine Zeit, die von Eleganz, Stil und Weltgewandtheit geprägt war. Und so wählt Ferrari als Vermarktungstitel für den Roma auch „la nuova dolce vita“, das neue süße Leben … ganz als Reminiszenz am Fellinis Meisterwerk, den berühmten Film aus dem Jahre 1960.

Probefahrt Ferrari Roma
Probefahrt Ferrari Roma

Und sicherlich hindern schwarz-weiße Gedanken an die sich im Trevi-Brunnen räkelnde Anita Ekberg nicht, das Wesen des Ferrari Roma zu verstehen: kein brutaler, aggressiver Rennwagen wie so viele der heutigen Sportwagen, sondern vielmehr ein stilvoller, zurückhaltender, dennoch potenter Gran Turismo. Schon der flüchtige Blick auf die technischen Eckpunkte lässt allerdings erahnen, dass es sich trotz des subtilen Auftritts nicht um einen Langeweiler handelt:

  • V8-Turbomotor mit 3,9l Hubraum (ein Motor, der auch bereits im Portofino Einsatz findet und mehrmals zum internationalen Motor des Jahres gewählt wurde)
  • 2+ Sitzer (Ferrari ziert sich offiziell, den Wagen als 2+2-Sitzer zu titulieren, also bescheidet man sich mit der zurückhaltenden Aussage, dass der Roma über zwei Vordersitze plus ein wenig Platz hinter den Rücksitzen verfügt)
  • 620 PS bei 5750 bis 7500 U/min
  • Beschleunigung von 0-100 km/h in 3,4s, von 0-200 km/h in 9,3s
  • Höchstgeschwindigkeit ca. 320 km/h
  • Trockengewicht 1472 kg
  • Verbrauch ca. 10,3l /100 km
  • Einstiegspreis ca. 180.000 EUR
Probefahrt Ferrari Roma
Probefahrt Ferrari Roma

Diese technischen Highlights werden, ganz genretypisch, zurückhaltend und klassisch untermalt von einem Design, das man eher von englischen Wettbewerbern kennt, bei Ferrari aber über lange Zeit vergeblich suchte.

Außen fällt die elegante Linie auf. Von vorne wird der erste Eindruck dominiert von einem an einen Haifisch erinnernde Front, die in ähnlicher Form bereits vom Monza SP2 bekannt ist. Die Seitenlinie wirkt sanft geschwungen, ohne durch störende Lufteinlässe zerklüftet zu werden. Am Heck haben sich die Designer vom Centro Stile (nein, an das Design dieses Ferraris hat mal nicht Pininfarina Hand angelegt) für ein modernes Leuchtendesign entschieden, das die klassischen Rundleuchten ablöst und dem Wagen einen knackigen Hintern verleiht. Außerdem fällt auf, dass das Wappen des springenden Pferdes nicht mehr serienmäßig an den Flanken zu finden ist. Erinnerung an die 1960er, als das Cavallino Rampante einzig den Grand Prix- und Rennsportwagen der wohl berühmtesten italienischen Marke überhaupt vorbehalten war.

Probefahrt Ferrari Roma
Probefahrt Ferrari Roma

Insbesondere der Innenraum des Roma verdeutlicht, dass Ferrari es ernst meint mit dem Anspruch, mit diesem neuen GT eine völlig neue Käuferklientel für die Marke zu begeistern. So bedeutet das Interiordesign des Roma eine radikale Abkehr von der bisherigen Optik. Vielmehr herrscht eine Art moderner Gediegenheit vor, die sich zum einen auf die Verwendung edler und hochwertiger Materialien stützt, zum anderen aber auch auf den Einsatz von modernsten digitalen Instrumenten und Helferlein.

Dieses Gesamtkunstwerk wirkt beileibe nicht nur auf dem Papier. Der Ort für die Probefahrt wurde sehr passend gewählt: Schloss Bensberg in der Nähe von Köln. Der stilvolle GT passt perfekt zur mondänen Architektur des Schlosses, das auf einer Anhöhe einen wunderschönen Blick ins rheinisch-bergische Land erlaubt. Fünf Ferrari Roma stehen, völlig unitalienisch aufgereiht in präzisem Abstand, im Innenhof und warten auf die Probefahrt. Farblich hat man sich eher für eine Auswahl der dunklen Lackierungen entschieden, von Blu Pozzi über Grigio Silverstone und Nero Daytona bis Blu Swaters ist alles vertreten. Insbesondere diese gedeckten Farben lassen die schwungvollen Linien des Roma mit einer unglaublichen Plastizität zur Geltung gelangen.

Bevor es soweit ist, findet das einführende Fahrer-Briefing statt. Zunächst werde ich dazu von einer netten Hostess ins Foyer begleitet, wo ich die einzelnen Schritte des Corona-bedingten Hygienekonzeptes absolvieren muss (Messung der Körpertemperatur, die merkwürdigerweise trotz allem nicht erhöht ist, zudem wird alle paar Meter Desinfektionszeug gereicht, schließlich erhält man eine in Ferrari-Rot getauchte FFP2-Maske … ein großes Lob an den Veranstalter für so viel professionelle Umsicht!). Dann werde ich mit den drei anderen Fahrern, die an diesem Tag zu einer Probefahrt eingeladen wurden, in den Lesesaal des Schlosses gebeten, wo als kleine Einstimmung zunächst ein kurzes Filmchen über die Magie des „dolce vita“ der 1960 Jahre gezeigt wird. Solchermaßen vorgewärmt, erzählt uns der Ferrari-Repräsentant, welche Raison d´Etre dem Roma vom Mutterhaus mitgegeben wurde. Außerdem macht er uns mit den wichtigsten Bedienfunktionen des Autos bekannt und ermahnt schließlich, mit einem munteren Augenzwinkern, zu vorsichtiger Fahrweise und der Einhaltung aller üblichen Verkehrsregeln.

Probefahrt Ferrari Roma
Der Autor an “seinem” Ferrari Roma

Wieder zurück auf dem Innenhof des Schlosses, werden wir den Autos zugeteilt. Jeder Roma ist besetzt mit einem Ferrari-Instruktor, der uns auf der Fahrt begleiten soll. Und sicherlich vor allzu optimistischem Umgang mit dem Gefährt bewahren soll. In meinem Falle ist es Nino, ein etwa 25-jähriger Italiener, der seit knapp zwei Jahren für Ferrari als Instruktor arbeitet und bereits viele derartiger Events mit fast allen Modellen des Hauses in der ganzen Welt begleitet hat. Ein netter Kerl, der es tatsächlich schafft, mich während der gut einstündigen Fahrt immer wieder zu ermuntern, die noch vorhandenen Restbrocken einer vormals passablen Italienischkenntnis hervorzukramen.

Im Sitz des Romas Platz genommen fällt sofort das riesige digitale Display ins Auge. Die Anzeigen sind konfigurierbar, am besten gefällt mir der riesige Drehzahlanzeiger. Die Spiegel lassen sich mittels Toucscreen in den Türflanken verstellen. Ein schönes Detail ist die angedeutete Schaltkulisse in der Mittelkonsole, wo die diversen Automatikprogramme gewählt werden können. Ebenfalls praktisch, dass der Beifahrer über ein kleines eigenes Display verfügt, über das wichtige Komfortfunktionen einstellbar sind. Der Fahrer selbst hat via Lenkrad die Steuergewalt über fast alle Funktionen, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen.

Den Fuß auf die Bremse gestellt, den Startknopf am Lenkrad gedrückt, und schon erwacht der V8 zum Leben. Aber nicht grollend-donnernd, wie man es von anderen hochvolumigen Achtzylindern kennt, sondern eher distanziert und unterschwellig. Per Schaltwippe den ersten Gang eingelegt, und vorsichtig rollen wir vom Schlosshof. Die ersten Meter dienen dazu, sich mit den Abmessungen des Roma vertraut zu machen. Und obwohl es sich nicht unbedingt um ein kleines Auto handelt, bin ich überrascht, wie behände er sich auch durch die engen Sträßchen von Bensberg dirigieren lässt. Obwohl man schnell anfängt, die Aufmerksamkeit zu genießen, die dieser GT bei den Leuten am Straßenrand hervorruft, ist er zu keiner Zeit aufdringlich oder vulgär. Nein, Leute, die dieses Auto fahren, haben es für sich gekauft, nicht für den Eindruck auf andere. Der Roma ist definitiv kein Aufmerksamkeitsprovozierer, sondern ein Bewusstseins-Schmeichler.

Probefahrt Ferrari Roma
Probefahrt Ferrari Roma

Kurz hinter den Toren der Stadt gelangen wir dann auf etwas weitläufigeres Terrain und nehmen den Asphalt der Landstraßen unter die Räder. Nino ermuntert mich, etwas offensiver mit Gas und Schaltwippen umzugehen. Und tatsächlich, wenn man sie lässt, die 620 Pferde, dann oha! Wie von einem unsichtbaren Gummiband gezogen sprintet der Roma mit einer Mühelosigkeit in Geschwindigkeitsregionen, die schon eine gewisse Reife und Selbstkontrolle erfordern. Unglaublich, egal, mit welcher Drehzahl man unterwegs ist, der Wagen beschleunigt und beschleunigt und beschleunigt … und solange man nicht zu übermütig wird, auch absolut spurstabil. Es wird schnell klar, dass das Auto deutlich mehr kann, als ich jemals auf öffentlichen Straßen werde erkunden können. Aber er macht Spaß ohne Ende, der Roma. Und dabei bewahrt er eine bewundernswerte Contance, eine Gelassenheit sondergleichen.

Leider geht die Probefahrt viel zu schnell zu Ende. Ich wäre gerne mal auf die Autobahn, oder Nordschleife … oder gleich weiter in die Emilia-Romagna und das Auto zu Hause abliefern. Aber Nino winkt müde ab. Ich bin wohl nicht der erste, der diese Idee äußert.

Naja, aber immerhin … es bleibt die Erinnerung an einen unvergessenen Tag. Die Erinnerung an eine Zeitreise in die wunderbar stilvolle Zeit des Dolve Vita.

Probefahrt, Fotos und Text: Hilmar Klink

… oder direkt zu FERRARI

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