Jubiläum: 25 Jahre Mazda MX-5

Man musste schon ein wenig verrückt sein, um in einer Zeit in der die letzten ihrer Art gerade ausgestorben waren, eine Neuauflage eines modernen, kleinen Roadsters mit klassischen Anleihen zu versuchen. Bis dahin prägten die britischen Roadster wie MG-B, Triumph TR-6 oder Triumph Spitfire die Szene der tugendhaften, bezahlbaren zweisitzigen Sportwagen.

Rebirth of a Sportscar

Als 1980 die Fertigung des Triumph Spitfire’s, der Letzte der drei Dinosaurier, eingestellt wurde, hatte man sich in Japan schon Gedanken über eine Roadster Neuauflage mit den alten Tugenden gemacht – frei nach dem Motto:” Totgeglaubte leben länger!”
Anfang 1979 kam eher beiläufig das Gespräch, im Anschluss an ein Interview, zwischen dem damaligen Entwicklungsleiter von Mazda, Kenichi Yamamoto und dem amerikanische Motorjournalisten Bob Hall auf das Thema Sportwagen. Hall skizzierte ein Auto, das ihm im Portfolio von Mazda bis dato noch fehlte auf eine Papierserviette und meinte dazu: “Anleihen an Kult-Roadster wie Lotus Elan und MG-B, gepaart mit japanischer Innovation und zuverlässiger Großserientechnik, müsste auch dieses Nischen-Segment wieder zum Erfolg führen.” Gesagt – getan, unter dem Namen “Miata” mit dem Namenszusatz “MX-5” hatte 1989 der kleine japanische Roadster dann sein Debüt in Amerika, dem angedachten Hauptabsatzmarkt. Aber weit gefehlt, wer glaubt, dass der Name Miata aus dem japanischen Sprachraum stammt. Die Namensgebung beruht eher auf Zufälligkeiten, nämlich durch das Aufschlagen eines Fremdwörterlexikons, auf einer beliebigen Seite. Angeblich blieb der kreisende Bleistift auf dem Begriff “Miata” stehen – ein Wort aus dem Althochdeutschen mit der Bedeutung Lohn, oder im weitesten Sinne “Belohnung”, was ja auch bestens passt. Sich einen Miata zuzulegen ist ja nun wirklich eine schöne Belohnung.

Rising Sun

Auch wenn der Mazda MX-5 anfänglich nur in den Farben rot, blau und weiß und auch zuerst nur in Amerika zu bekommen war, löste der kleine Japaner 1989 weltweit eine Hysterie aus. Alle wollten ihn – selbst Ferrari fahrende Amerikaner wollten sich auch noch einen Miata in die Garage stellen – so unkompliziert, so schnörkellos, so preiswert und dann noch so viel Fahrspaß! Der “Schwarzmarkt” blühte und so konnten stolze Besitzer eines MX-5 den Neuwagen leicht mit ein paar tausend Doller Aufpreis weiterverkaufen.
Aber der kleine Roadster eroberte nicht nur die Herzen der Amerikaner. Auch die Europäer warfen einen begehrlichen Blick auf den Mazda Miata, mussten sich aber noch gedulden, da der schon zu Kultstatus gelangte Sportwagen erst 1990 nach Deutschland kam. In der Zwischenzeit, und auch noch in den Jahren danach, blühte der Markt mit “Grau-Importen”. Anfangs nur aus den USA und Kanada, später dann auch aus Ländern wie Italien und Griechenland. Eines hatten alle gemeinsam: In diesen Ländern waren die kleinen, sportlichen Mazdas wesentlich preiswerter als in Deutschland. Selbst MX-5 Miata, die aus Nordamerika kamen, waren auch unter Berücksichtigung von Fracht, Versicherung, Zoll, Mehrwertsteuer und Kosten für die Umrüstung der Beleuchtung, noch etliche tausend DM billiger als ein MX-5 beim freundlichen Mazda-Händler um die Ecke. So konnte man 1994 beim Kauf eines Miata aus Kanada beim Importeur mal eben 8.000 DM sparen – wie der Autor selbst erfahren konnten.
Anfangs verdrängte der kleine Sportler nur die unvergessenen Roadster-Ikonen wie den MG-B und den Triumph Spitfire vom Sockel der ewigen Bestseller. Inzwischen ist der MX-5 weltweit der meistverkaufte offene Zweisitzer und wird mit der vierten Generation, die 2015 vom Stapel läuft, wohl die 1 Mio. Marke knacken.

A Star is born

Von der auf eine Papierserviette gekritzelten Idee bis zur Vorstellung eines Serienautos auf der Chicago Motor Show 1989 vergingen 10 Jahre und ab dann verkaufte sich der Mazda MX-5 wie geschnitten Brot.
 
Produktionszahlen: Weltweit 940.679 Einheiten, davon über 110.000 MX-5 in Deutschland.
Mazda MX-5, Serie NA (1989-1998), weltweit 431.506 Einheiten, davon in Deutschland 33.911.
Mazda MX-5, Serie NB (1997-2005), weltweit 290.123 Einheiten, davon in Deutschland 50.923.
Mazda MX-5, Serie NC (seit 2005), weltweit 214.050 Einheiten in Deutschland bisher ca. 25.000.
Mazda MX-5, Serie ND (ab Q3 2015) …

 
Aber durch den sich weiter entwickelnden Erfolg des kleinen Roadsters traten natürlich auch Neider auf den Plan. Mazdas Wettbewerber hatten eingesehen, dass sie einen neuen Trend verpasst hatten. So hatte sich mit der Markteinführung des MX-5 in der zweiten Generation (interne Bezeichnung: NB) inzwischen ein umfassendes Portfolio an offenen Zweisitzern auf dem deutschen Markt etabliert.

Roadster wie ein neuer Alfa Spider, Audi TT, BMW Z3, Fiat Barchetta, MG TF oder Toyota MR-2 eroberten respektable Platzierungen in den Zulassungsstatistiken – konnten aber dem MX-5 nichts anhaben. Viele äußerst ansprechend gestaltete und ausgestattete Sondermodelle ließen auch in der Zeit von 1997 – 2005 den MX-5 (NB) zum unangefochtenen Champion in seiner Klasse aufsteigen.

Old Flame never dies?

Aber ab 2006 mit der Einführung der dritten Auflage des Mazda MX-5 bekam die ewige Erfolgskurve einen Dämpfer. Obwohl technisch umfassend modernisiert und mit einem Schwestermodell, anstatt mit Stoffverdeck mit elektrisch betätigtem Coupè Dach versehen, konnte der NC nicht mehr an die vergangenen glorreichen Zeiten anknüpfen. Die sinkenden Verkaufszahlen können auch nichts mit dem Preis zu tun haben, denn der ist in 25 Jahren so fix geblieben, wie die sprichwörtliche Zuverlässigkeit des MX-5. Ein Einstiegsmodell mit Stoffverdeck und 1,6 Liter Motor gibt es schon zum Listenpreis von ca. 22.000 € – Vorführwagen und Tageszulassung noch deutlich darunter.
Nein, die Klientel der Käufer hat sich in den letzten 25 Jahren auch verändert. Cabrios stehen nach wie vor noch hoch in der Gunst der Käufer, aber klein, eng, kompakt – ein wahrer Roadster eben, ist nicht mehr so gefragt, eher “Think Big”. So wechseln z.B. die ehemals weiblichen MX-5 Fans lieber Richtung Kompakt-SUV mit Attributen wie Bequemlichkeit, Sicherheit, hoher Sitzposition und jede Menge Platz. Oder sind sie einfach nur in die Jahre gekommen und es wachsen keine Fans des kleinen Roadsters mehr nach?

Rebirth of the Champion?

Der MX-5 NA ist inzwischen zum Youngtimer gereift und die Fangemeinde wartet nun auf den ND, der in 2015 in den Showrooms der Mazda Händler stehen wird. Eine Gemeinschaftsproduktion mit Alfa Romeo auf einer gemeinsamen Plattform soll Synergien nutzbar machen und Kosten sparen. Vielleicht trifft der neue Mazda MX-5 ND ja dann wieder den Nerv der Zeit und begeistert erneut wie damals 1989, vor einem Vierteljahrhundert ….?

 
Link: 25 Jahre Mazda MX-5
 
Link: 04.09.2014: Mazda stellt den neuen MX-5 ND Modell 2015 in den USA und Japan vor.

 

Text: Reinhard Dutschke, Foto: Mazda Motors

 

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