Probefahrt: Volkswagen VW 1303 Käfer

Die „Probefahrt“ mit meinem VW 1303 Käfer liegt zwar schon einige Jahre zurück, die Eindrücke die ich damals gewonnen habe sind aber noch taufrisch, denn der rote 1303 war nicht nur mein erstes Auto, sondern hat auch maßgeblich meine automobile Interessensentwicklung geprägt.

Den Volkswagen

kaufte ich 1979 als 6-Jährigen Gebrauchten, bei dem ortsansässigen Opel Händler. Aber warum ausgerechnet einen VW Käfer? Zum einen mangels aus meiner Sicht passender Alternativen im Gebrauchtwagensegment um die 4.000 DM, zum anderen hatten wir schon einen texasgelben VW 1303 in der Familie und der Wagen war ganz o.k. für mich. Die sprichwörtliche Zuverlässigkeit des Volkswagens wurde aber leider schon auf der ersten Fahrt vom Opel Händler nach Hause in Frage gestellt. Mitten im Wald starb der Motor plötzlich ab und machte auch keine Anstalten mehr sich wieder zum Starten bewegen zu lassen. Die Diagnose des freundlichen Opel Händlers: Benzinpunpe defekt. So startete ich dann am Folgetag einen zweiten Anlauf meine rote Neuerwerbung meinen Eltern vorstellen zu können.

Zur fürsorgliche Pflege

meines ersten Autos gehörte dann nach einigen Wochen auch, dass ich mich mit der Technik des 44 PS VW Boxer Motors auseinandersetzte. Die passende Lektüre dazu gab es bei jedem Autozubehör Händler in Form eines Buches aus der Serie „Jetzt helfe ich mir selbst!“ Und so entwickelte ich mich dann in meinem Bekanntenkreis zum anerkannten Käfer-Experten für Zündung (Kontakte, Schließwinkel) und Vergaser Fragen.
 

Die Fahrleistungen

eines 44 PS Boxers konnten jetzt nicht gerade im Vergleich zu Ford Escort, Opel Ascona oder Opel Kadett einiger Freunde mithalten. Sportliche Ambitionen hatte ich, als Fahranfänger, anfangs ohnehin nicht.
In den folgenden beiden Jahren mit meinem VW Käfer, zeigte sich dann doch die Zuverlässigkeit der inzwischen schon angestaubten VW Technik. Probleme mit Motor oder Fahrwerk gab es nicht, allerdings machte sich schon im ersten Jahr unserer Partnerschaft der Rost breit. Erst innen an den Falzen der Hauben, dann auch am Chassis im Bereich der Radhäuser.
Die alle zwei Jahre anstehende TÜV-Vorführung war immer eine Zitterpartie, die in der Regel mit der Notwendigkeit einer Wiedervorführung nach unfassenden Schweißarbeiten endete. Im dritten und letzten Jahr unserer Beziehung kam dann der „Big Bang“. Auf dem Weg ins Bergische verlor der VW Motor plötzlich drastisch an Leistung. An Bergen, die wir schon x-Mal im vierten Gang geschafft hatten, musste ich nun runterschalten bis in den zweiten Gang. – Raus auf den Standstreifen, Warnblinkanlage an und ADAC rufen! Der freundliche Herr im gelben Overall diagnostizierte schnell – Kolbenfresser!
 

Schock

– der von mir so gehegte und gepflegte Motor hatte sein Leben ausgehaucht, obwohl ich Ölwechselintervalle immer penibel eingehalten hatte. Dank nachgerüstetem Drehzahlmesser war auch der Motor immer unter Berücksichtigung der Öltemperatur optimal betrieben worden.
Dieser Vorfall läutete dann auch das Ende unserer Beziehung ein. Einen gebrauchten Motor habe ich dann noch (selbst) eingebaut, aber das Vertrauen in den Wagen war dahin.
 

Aber wenn ich heute mal ein VW 1303 Cabrio auf der Straße sehe, werde ich ganz wehmütig – „haben wollen!?“ Ich weiß nicht, ob ich heute noch mal auf um die 50 PS „runterschalten“ möchte …
 

Meine Wertung: *** (drei von 5 Sternen)
Autor: Reinhard Dutschke

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