MX-5 Typ NB

Unverhofft kommt: Mazda MX-5 Phoenix

MX-5 zu verkaufen?

„Was macht Dein Mazda MX-5?“ lautete meine interessierte Frage, zum Abschluss einer dienstlichen Besprechung mit einer Kollegin im Mai diesen Jahres? Sie atmete durch, zog die Stirn in Falten und meinte: „Der hält noch seinen Winterschlaf und steht noch, wie ich ihn letzten Herbst abgestellt habe, in der Scheune. Eigentlich habe ich mir überlegt, dass ich den MX-5 abgeben könnte. So richtigen Spass habe ich nicht mehr an dem Mazda …“ Ich wurde hellhörig, fragte nach einigen Details zu dem Roadster und bot ihr an mich unzuhören, da ich mir sicher war, einen passenden Liebhaber für den Mazda MX-5 (Typ NB) zu finden.
Was ich noch nicht wusste – ICH sollte der besagte Liebhaber des kleinen Japaners werden.

Schwärmerei

Zuhause angekommen schwärmte ich meiner Frau von dem MX-5 vor: Ein von zarter Damenhand gefahrener Phoenix in schwarz-metallic mit braunen Ledersitzen, Sitzheizung, einer ganzen Reihe weiterer Extras und wenigen Kilometern auf der Uhr. Ihre Reaktion erstaunte mich: „Dann lass uns den Wagen doch kaufen!“ Der Preis war o.k., aber was sollte man mit unserem 94er MX-5 machen – verkaufen, einlagern? „So ein Auto verkauft man nicht.“ meinte sie auf meine doch sichtlich halbherzig vorgeschlagene Idee. Stimmt – bald Youngtimer, erste Hand, unverbastelt und annähernd im Jahreswagen Zustand. Das ist ein Auto mit Potential!

Alter Bekannter

als ich wenige Tage später wieder mit der Kollegin sprach, hatte ich in genau diesem MX-5 Phoenix schon einmal probegesessen. Da stand er noch im Showroom des Düsseldorfer Mazda Händlers, zu dem ich meinen blauen 94er zu der Zeit immer zum Service brachte. Ich wartete auf die Rechnung, sah den kleinen Schwarzen, ging um ihn herum, nahm auf dem braunen Ledersitz Platz und ergriff das Bicolor Lederlenkrad von Nardi – TOLL! Der Blick schweifte über das weiße Ziffernblatt im Cockpit und den Edelstahl-Zierrat am Armaturenbrett. – DER könnte mir gefallen … Dann hörte ich den Kundenberater meinen Namen rufen und „plopp“ war die kurze Träumerei vorbei und der schwarze Phoenix geriet in Vergessenheit. – Oder doch nicht ganz, denn im Rausgehen griff meine linke Hand, wie ferngesteuert, nach dem Prospektstapel des Sondermodells und der Propekt wanderte ins Archiv zu den anderen, meiner bisher gefahrenen Fahrzeuge.

Showtime

Ungeduldig erwarteten wir den Besichtigungstermin, der am darauf folgenden, kühlen und regnerischen Sonntag, im ländlichen Düsseldorfer Süden stattfand. Die Kollegin öffnete das Scheunentor und schon glitt ich auf den Ledersitz, drehte den Zündschlüssel – der Anlasser mühte sich, schaffte es aber nicht, dank einer müden Batterie, den 1,6 Liter Motor zum Starten zu bewegen. Also rausschieben, Ladegerät für eine spätere Probefahrt anschließen und erst mal den Wagen im Licht betrachten.
Der Zustand entsprach leider nicht ganz meiner Vorstellung, die sich in meinem Oberstübchen über die Tage festgesetzt hatte. Den Hinweis im Vorgespräch auf einige Kratzer hatte ich wohl ausgeblendet – da war wohl „der Wunsch der Vater des Gedanken“ …
Tja, der Schwarze MX-5 sah schon etwas strapaziert aus – Kratzer rundherum, mehr oder weniger tief und lang, im Motorraum einiges an Rost und Dreck, auch war von dem Chrom des Auspuffendrohrs fast nichts mehr übrig geblieben. Die Verdeckverschlüsse rasteten nicht mehr ein, so dass die Lasche nur von der Sonnenblende in der Verschluss-Position gehalten wurde. Die elektrische Teleskopantenne fuhr nicht mehr aus und die Sitzheizung am Fahrersitz lies bei der nachfolgenden Probefahrt auch keine wohlige Wärme verströmen.

Stehen lassen?

Ich hatte wohl falsche Maßstäbe angelegt und bezweifelte in diesem Moment, ob ich dieses Auto wirklich kaufen sollte. Aber der MX-5 fuhr gut, der Motor schnurrte, der Wagen lag satt auf der Straße, auch in engen, zügig gefahrenen Kurven – ein MX-5 halt! Das Grinsen stellte sich, schon nach ein paar Minuten Probefahrt, in unseren Gesichtern ein und auch meine Frau hatte sichtlich Spass an dem schicken Roadster mit den braunen Ledersitzen.

Durchrechnen

Jetzt hieß es die möglichen Instandsetzungskosten für Sitzheizung und Antenne (Antenne ca. 280€! bei Mazda) zu überschlagen und in die Preisverhandlung einfließen zu lassen. Die liebe Kollegin erwies sich als harter Verhandlungspartner. Wir fanden aber schnell einen Konsens und wenig später konnte ich mit unserem „neuen“ MX-5 vom Hof fahren. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne schien mir ins Gesicht, wenn das kein gutes Ohmen war …

Und in den folgenden Wochen erwartete mich einiges an Arbeit für die kleinen Reparaturen und die Aufbereitung des Wagens. Aber dazu mehr in der Rubrik „Oldtimer Pflege“.
 

Fotos: Reinhard Dutschke
Autor: Reinhard Dutschke

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