Georges Irat ODU

Story Georges Irat

Es war 1980 auf dem Rückweg von einem zwei-wöchigen Campingurlaub am Gardasee, als Mitfahrer und Jugendfreund Roland vorschlug: Lass’uns doch noch meine Schwester in Frankreich besuchen. O.k., es war schon ein „kleiner“ Umweg über Frankreich zurück ins Ruhrgebiet zu fahren, aber die Aussicht nach Paris zu kommen war schon ein gutes Argument und ein paar Tage Zeit hatten wir ja ohnehin noch.
 
Also flugs den Kurs von Nord auf Nord-West geändert und auf nach Frankreich! Gut 1000 km haben wir vor uns, aber Dank Tempolimit in Frankreich kommen wir uns in meinen roten VW Käfer nicht unbedingt maßlos untermotorisiert vor. Mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 km/h treiben wir den 1303 mit seinen 44 PS dem Ziel entgegen. Auf der Fahrt erzählt Roland von seinem Schwager, dass der Inhaber eines romantisch gelegenen Landhotels ein interessantes Hobby pflegt. Patrick sammelt Oldtimer! Auf der langen Fahrt kommt nur wenig Langeweile auf, da Roland mit großer Begeisterung über mir bis dahin teilweise ungekannte französische Automobilmarken wie Delage, Almicar, Georges Irat, Talbot berichtet und Geschichen erzählt, wie sein Schwager, an die seine Vorkriegs-Klassiker gekommen ist.

Lyons La Foret
Lyons La Foret
Nach 13 Stunden Fahrt erreichen wir dann den kleinen Ort Lyons-la-Forêt in der Nähe von Rouen und ich freue mich auf ein Kennenlernen von Rolands Schwester nebst Familie und natürlich auf interessante Gespräche mit Patrick. Wobei ich die Besichtigung der kleinen Oldtimer Sammlung als Höhepunkt erwarte.
Die Wiedersehensfreude ist groß – Rolands Schwester Christiane begrüßt uns mit ihrer kleinen Tochter Virginie und lädt uns sofort ein, ein paar Tage zu bleiben.
Delage
Delage
Patrick aber, ist ein paar Tage geschäftlich unterwegs und so wird leider nichts aus dem erhofften Kennelernen. Wir beziehen ein Zimmer in dem gerade fertig gestellten Haus von Schwester und Schwager und Roland ist kaum zu bremsen und erzählt weitere Geschichten von Patrick und seinen Oldtimer.Ab und an, meist außerhalb der Saison des kleinen Hotels, nimmt Patrick sich eine kurze Auszeit und reist für ein paar Tage zusammen mit einem Freund über die Lande.
Almicar
Almicar
Dabei klappern sie Bauernhöfe ab und Adressen, die sie vorher recherchiert haben, immer auf der Suche nach dem besonderen Scheunenfund. Dabei wird nicht lange gefackelt, entdeckte Pretiosen landen direkt auf dem Autoanhänger der immer dabei ist.
Eine Art Goldgräberstimmung treibt sie dabei immer voran und der Erfolg der letzten Touren steht nun im Keller von Patrick’s schönem Reet gedecktem Haus in mitten dem kleinen Park seines Hotels.

Georges Irat

Ich staune nicht schlecht, als Roland mich in den Keller führt. Vor uns liegt ein großer Raum mit frisch geweißten Wänden, rustikalen Wandlampen und vier Oldtimern zwischen denen noch die Farbeimer der gerade beendeten Renovierung des Raumes stehen. Drei von ihnen sehen so aus, als ob man sie gerade wachgeküsst hätte, nach Jahrzehnte langem Dämmerschlaf. Aber ein Wagen sticht mir sofort ins Auge, im strahlenden weiß passt er so gar nicht zwischen die „sleeping Beauties“. „Ein Georges Irat!“, so Roland und zeigt mit breitem Grinsen auf den kleinen Roadster.

Das Unternehmen Automobiles Georges Irat SA aus Chatou baute zwischen 1921 und 1946 sportliche Automobile.
Meist wurden Einbaumotoren von Firmen wie Lycoming, Godefroy et Levêque und ab 1935 von Ruby Motor zugekauft. Zwischen 1935 und 1938 wurde der 1100 cm³ Motor verbaut. In den 30er Jahren schöpfte Georges Irat das Know-how für den Sportwagenbau aus den Erfahrungen aus der Teilnahme an zahlreichen Langstreckenrennen, wie auch den 24 Stunden von Le Mans.

Mit dem Ehrgeiz, möglichst viel selbst an der Restaurierung des Georges Irat beizutragen, ist Patrick in der Besucher-schwachen Winterzeit buchstäblich wieder in die Lehre gegangen und hat sich das wichtigste Handwerkszeug für die Oldtimer Restaurierung beibringen lassen.

 


 

Author: Reinhard Dutschke
Fotos: Reinhard Dutschke (1980)

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