Spezialöle für Oldtimer

Nachgedacht: Spezialöle für Oldtimer?

Beim Besuch der diesjährigen Techno Classica fielen mir hier und da Aussteller auf, die Spezialöle für Oldtimer angeboten haben. Anfangs wurden sie nur so beiläufig zur Kenntnis genommen. Dann aber erzeugten die aufwendig gestalteten Kanister, die mir immer wieder ins Auge fielen, doch mein Interesse und ich stellte mir die Frage: Sinn oder Unsinn?

Sehr dekorativ diese Ölkanister im Vintage-Look, aber was zeichnet die Spezialöle für Oldtimer wirklich aus? Diese Frage ging mir dann immer wieder, während ich von Halle zu Halle wechselte, durch den Kopf. Eines war mir von Anfang an klar: Die Ansprüche von alten Motoren an das Öl sind nicht besonders hoch. Auf der einen Seite wird die Qualität eines Motoröls an der Bandbreite an Viskosität und auf der anderen Seite an der Legierung mit hochwertigen Additiven, Synthese Bestandteilen oder sogar durch den vollständigen Verzicht auf mineralische Inhaltsstoffe bestimmt. Dies alles macht den Preis aus, so dass ein modernes Öl in einem 5 Liter Gebinde gerne mal 60 € und mehr im Einzelhandel kostet.

Spezialöl−- Sinn oder Unsinn?

Aber was macht jetzt ein Motorenöl für Oldtimer aus? Wo liegt die Kunst in der Herstellung eines Motorenöls auf dem Entwicklungsstand von beispielsweise 1960? „Weglassen“ einfach nur Weglassen? Additive, die ja von den Ölproduzenten als so wertvoll herausgestellt werden, sind die Rechtfertigung für einen ambitionierten Preis. Ach so – die Kunst liegt also im Weglassen der kostbaren Komponenten und von Synthesebestandteilen bei der Komposition des goldenen, lebenserhaltenden Saftes. Ergo – Ein Oldtimeröl müsste also sehr viel preiswert sein, als ein modernes Motorenöl?
Also aufgepasst, beim nächsten Anbieter von Klassiker Öl würde ich dann mal nach dem Preis fragen. Ich musste nicht lange warten und bei der Antwort auf meine Frage dachte ich, ich hätte mich verhört: 59 € für den 5 Liter Kanister Spezial-Oldtimeröl! Wollen die mich auf den Arm nehmen? – Oder ist das alles die gleiche Soße?

Oldtimeröl macht Sinn!

… nein, dass ist es definitiv nicht! Man hüte sich davor, ein modernes hochlegiertes, synthetisches Öl in einen originalen Klassiker Motor einzufüllen – aus Bequemlichkeit, weil der Kanister vollsynthetischen Öles für den modernen Erstwagen ohnehin in der Garage steht oder aus falsch verstandener Fürsorge. Mit einem modernen Motorenöl schadet man seinem Klassiker mehr als es nutzt. Zum einen können Additive die alten Motordichtungen aufquellen lassen, was unweigerlich zu Undichtigkeiten führen wird. Ein VW Käfer aus den 60ern besitzt keinen Hauptstrom Ölfilter. Die Forderung an ein heutiges Öl, den Schmutz in der Schwebe zu halten, bestand damals noch nicht. Ein Ölsieb am Boden der Ölwanne sollte die Ablagerungen, auffangen und war bei jedem Ölwechsel mit Benzin auszuwaschen. Bei einem Vorkriegsklassiker müssen wir noch einen größen Schritt weiter in der Evolution von Motorenölen zurück gehen. Hier kamen meist nur Einbereichsöle zum Einsatz.

Aber vielleicht wurden ja bei Ihrem Oldtimer bei der letzten Motorrevision die alten Dichtungen gegen welche aus modernen Materialen ersetzt und ein Hauptstrom-Ölfilter nachgerüstet. Somit brauchen Sie sich i.d.R. keine Gedanken zu machen, welche besonderen Anforderungen Ihr Klassiker an das Motorenöl, den goldenen Lebenssaft, Ihres Motors hat. Sollte das Aggregat aber noch im Originalzustand sein, empfiehlt sich auf jeden Fall nach einem Klassiker Öl Ausschau zu halten, denn die Kunst der Hersteller bei der Komposition liegt nicht nur im „Weglassen“, sondern in der richtigen Zusammensetzung von Motor schonenden und pflegenden Bestandteilen und beigegebenen Additiven.
 
Nebenbei bemerkt: Beim Oldtimeröl AutoBILD Klassik Test 11/2013 haben vier der Testkandidaten, mit „Gut“ abgeschnitten. Mercedes Benz Classic Edition (ca.30€/5L), Liqui Moly Classic (ca.60€/5L), Rektol (ca.28€/5L), Limora (ca.54€/5L). Alle Öle eignen sich nach Herstellerangaben für Oldtimer ab ca. Baujahr 1950.
 

Text: Reinhard Dutschke, Foto: Presse Liqui Moly

 

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