Alfa Romeo GTV 2000

Oldtimer Restaurierung aber nicht so!

Klassische Sportwagen

übten schon immer eine besondere Faszination auf mich aus. Als mir dann, das war 1980, ein Freund eine Oldtimerzeitung vorlegte und von einem Alfa Romeo GTV 2000 Bertone vorschwärmte, war es um mich geschehen.
 

Gesagt getan.

Tags darauf führen wir ins Sauerland und nach kurzer Begutachtung war das „Superschnäppchen“ für 2.200 DM unser erstes verheißungsvolles „Projekt“. Geplant war den Alfa GTV 2000 Bertone im Rahmen einer „rollenden Restaurierung“ hübsch zu machen und mit ordentlichem Gewinn anschließend wieder weiter zu verkaufen. Ich sollte das technische Know-how mit einbringen und er das Kaufmännische managen. Die Rückfahrt war, trotz strömenden Regens und eines verlorenen Wischerarms, ein tolles Erlebnis. Es war ausgerechnet der Wischer auf der Fahrerseite, den wir aber nach kurzer Suche auf dem Grünstreifen der Landstraße wiedergefunden haben.
Der sonore Sound des 2 Liter Doppelnockenwellen Motors, das straffe Fahrwerk und die braunen gut passenden Ledersitze begeisterten.
Diese Begeisterung schlug am Folgetag in totale Enttäuschung um. Bei der Bestandsaufnahme, diesmal in Ruhe und nicht im Regen, mussten wir feststellen, dass die braune Pest den schicken GTV ordentlich angeknabbert hatte (1). Wie konnte ein Fahrzeug in diesem Zustand noch anderthalb Jahre TÜV haben??

Rollende Restaurierung

Bei uns Azubis war das Geld knapp und mein Sachverstand beschränkte sich auf die nötigen Wartungsarbeiten meines Käfers. Rost war ich bisher lediglich mit Drahtbürste und Schleifpapier zu Leibe gerückt.
Aber hier hätten einige Bleche eingeschweißt werden müssen. An dem türkis-farbenen Alfa GTV waren aber leider nicht nur die waagerechten Bleche im unteren Teil der Türen großflächig durchgerostet – also was tun? Um den Wagen zum Schweißen wegzugeben fehlte das Budget (2). Also fing ich an, in der eigens angemieteten Garage die riesigen Löcher auf der Unterseite der Türen mit Glasfasermatten und Prestolith zu verschließen.

Alfa GTV 2000 Bertone in schwarz

war zwar noch original, die Lackierung aber nicht. Mein „Partner“ meinte ja ohnehin, dass dem Alfa Romeo schwarz (3) viel besser stehen würde. Also Lack anschleifen, Scheiben abkleben (4) und dann konnte Edgar, von Beruf Schildermaler, in der Waschhalle einer ehemaligen Tankstelle mit der Lackierung loslegen. Als ich die Türeinstiege lackierte, die Scheiben waren noch zugeklebt, schien irgendwoher Licht in den Beifahrerfußraum zu fallen. Die Fußmatte, serienmäßig mit Blechschrauben im Bodenblech befestigt, an einer Ecke angehoben und schon war die Lichtquelle gefunden – mir verschlug es die Sprache! Durch ein Handteller großes Loch sah ich den Estrich der Halle. Und jetzt? Eine Glasfasermatte kam selbst für mich nicht in Frage, aber wie konnte man das Loch mit einem Blech verschließen ohne zu schweißen? Die Antwort auf die Frage war: Nieten. (5) Aber ganz ehrlich, ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, als ich das Reparaturblech und die Nieten dick mit Unterbodenschutz überstrich.

Verkaufsanzeigen in der Tagespresse

führten leider nicht zum Verkauf des Wagens. Die Zeit drängte, das Budget war aufgebraucht, unsere Konten überzogen – der Alfa mußte weg!
Da war doch dieser Straßenhändler – ein Klassiker: Atze Schröder Frisur (Minipli), Bierbauch, tätowierte Arme, dicke Goldkette und Rolex am Handgelenk. Atze war ganz angetan von dem Wagen, monierte aber die leichten Geräusche von der Hinterachse. An meinen „Blecharbeiten“ hatte er nichts auszusetzten – oder zumindest ist es ihm nicht aufgefallen und so wechselte der schicke Alfa samt Pappbrief den Besitzer für 2.000 DM.
 
Das war dann auch das erste und letzte Mal, dass ich mich bei einem Autokauf „verkauft“ habe.
 

Besser so


Fehler Nr.1: Als Laien hätten uns vorher nicht nur grundsätzlich über den Alfa schlau machen müssen. Auch hätte der Rat eines Experten uns die Augen öffnen können, was es bedeutet, einen Alfa GTV 2000 zu Restaurieren.

Fehler Nr.2: Das Budget war zu knapp kalkuliert, einen nennenswerten Puffer für Unvorhersehbares war nicht eingeplant.

Fehler Nr. 3: Bei der Farbwahl sollte man auf Authentizität achten. Den Alfa GTV 2000 gab es nie ab Werk in Schwarz.

Fehler Nr. 4: Wenn Lackieren, dann aber richtig, zumindest, wenn der Neulack eine wertsteigernde Maßnahme sein soll. Denn wer will schon einen Oldtimer zu einem ordentlichen Preis kaufen, der zwar passabel im Lack ist, aber Spuren einer Nachlackierung an und auf Scheibengummis aufweist.

Fehler Nr. 5: Bei Arbeiten nicht nur am Unterboden, sollte man sich sicher sein, dass die Reparatur auch TÜV-fähig ist.

 

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