Oldtimer einmotten

Oldtimer einmotten

Die Klassiker-Saison neigt sich schon wieder dem Ende zu. In der kalten, trüben Jahreszeit wollen die meisten Oldtimer-Liebhaber ihren Oldtimer meist lieber schonen. Fährt man seinen Liebling mit Saison-Kennzeichen, steht ja ohnehin das Einmotten des Fahrzeugs auf dem Plan. Aber direkt den Wagen von der Straße ins Winterquartier zu stellen – so einfach sollte man es sich nicht machen! Um im Frühjahr keine bösen Überraschungen zu erleben, ist es ratsam, noch einige Dinge zu beherzigen, bevor der Oldie für einige Monate „eingemottet“ wird.

Reinigung des Klassikers

Als erstes sollte eine umfassende Grundreinigung auf dem Programm stehen. Eine Wagenwäsche, bei der man sich Zeit nehmen sollte, um auch versteckte Schmutznester erkennen und beseitigen zu können. In vielen Ecken, Kanten und Falzen sammelt sich gerne der Schmutz über Monate – oder vielleicht sogar über Jahre. Hier bildet sich zusammen mit Feuchtigkeit, oder im schlimmsten Fall auch mit Streusalz früherer Wintereinsätze, ein idealer Nährboden für Rost.

Aber auch die Radkästen nicht vergessen. Spritzen Sie sie mit einem scharfen Wasserstrahl aus und „fahren“ anschließend mit den Fingern entlang der inneren Falz am Radlauf des Kotflügels. Dabei kann man so manche Überraschung erleben. Was sich hier über die Zeit alles angesammelt hat langt manchmal zum Befüllen eines mittleren Blumentopfes. Nach der gründlichen Reinigung bitte nicht den Wagen sofort für den Winterschlaf wegstellen. Hier und da steht noch reichlich Waschwasser, wo es über die Wintermonate zu Korrosion kommen kann.
Ein paar Stunden in der wärmenden Herbstsonne sorgt für das komplette Durchtrocknen des Klassikers. Beschleunigen lässt sich das durch eine kurze zügige Fahrt, bei der der Fahrtwind die letzten Wassertropfen aus den Ritzen blasen kann.
Sind beim Waschen Lackschäden und kleinere Roststellen aufgefallen, so sollten Sie nicht bis zum Frühjahr mit der Beseitigung warten.

Schmierdienst am Oldtimer


Jetzt werden die Schmierstellen versorgt. Türfangbänder, Scharniere, Schlösser, Teleskopantenne – schmutziges Fett wird mit einem Lappen abgewischt und frisches Schmiermittel aufgetragen. Bei Oldtimern werden Schmiernippel, wenn vorhanden und erreichbar, mit einer Fettpresse versorgt. Durch diese Prozedur wird nicht nur fehlendes Schmiermittel nachgefüllt, auch wird ggf. vorhandene Feuchtigkeit durch das frische Fett verdrängt.

Cabrio- oder Roadsterverdeck

Gereinigt ist das Verdeck ja schon. Sollte man jetzt aber noch Schmutz oder Flecken entdecken, hilft ein spezieller Verdeckreiniger, oder wenn nicht zur Hand, milde Seifenlauge. Nach dem Trocken könnte man ein Stoffverdeck noch mit Verdeckimprägnierer behandeln.
Ein Vinylverdeck braucht andere Pflege. Hier hat sich Armor All bestens bewährt. Das Produkt reinigt und pflegt die Verdeckhaut und Gummidichtungen mit den enthaltenen „Weichmachern“. Aber egal ob Stoff- oder Kunststoffverdeck die Gummidichtungen stehen grundsätzlich auf der todo Liste für’s Einmotten des Oldtimers.
Im Winterquartier angekommen lässt man die Türfenster einen Spalt geöffnet, damit die Dichtungen sich entspannen können und nicht über die Monate gequetscht werden.
Auch wenn es schön aussieht, wenn man ab und zu seinen Roadster in der Garage besucht und von seinem Liebling dort mit zurückgeklapptem Verdeck erwartet wird – gut tut es dem Verdeck nicht. Klappen sie das Verdeck lieber zu und verschließen die Verschlüsse, so bleibt es auf Spannung. Das Verdeckgestänge kann sich nicht verziehen und sie vermeiden Verschleiß-fördernde Knickstellen an der Verdeckhaut und den Dichtungen.

Innenraum-Reinigung

Wenn ein Oldtimer eingemottet wird, gilt besonders für den Innenraum absolute Trockenheit! Gereinigte Polster und Teppiche müssen komplett trocknen sein. Fußmatten für den „Winterschlaf“ lieber auslagern. Während dieser Zeit für ausreichende Lüftung im Fahrzeug sorgen. Also Fenster eine handbreit geöffnet lassen, damit die Luft etwas zirkulieren kann. So vermeidet man, dass zum Saisonstart der Innenraum muffig riecht, oder es sich sogar Schimmel gebildet hat.
Wer Bedenken hat, stellt einfach einen Luftentfeuchter auf die Sitzfläche oder in den Fußraum. Diese chemisch (mit hygroskopischem Granulat) arbeitenden Luft-Entfeuchter gibt es für wenige Euro im Baumarkt.
Lederpolster mit Lederpflege reinigen und pflegen, das hält das Leder geschmeidig und beugt dem Alterungsprozess vor.

Motor einmotten

Eine komplette Motorinspektion vor der Winterpause wäre natürlich die optimale Vorbereitung auf den Winterschlaf. Wie üblich stehen Reinigung, die Kontrolle der Flüssigkeits-Füllstände und die Versorgung der Schmierstellen an. Mit Motorschutzwachs könnten alle korrosionsanfälligen Bereiche konserviert werden. Lackierte Blechteile oder blanke Metallteile, deren Oberflächen korrodieren können, sollten so geschützt werden – aber bitte alle Teile der Abgasanlage aussparen!
Muss man jetzt das Motoröl wechseln? Hier scheiden sich die Geister. Grundsätzlich gilt: Im gebrauchten Motoröl, insbesondere bei Fahrzeugen die nur im Kurzstreckenverkehr betrieben werden, befinden sich Säuren und Kondenswasser, die die inneren Motorteile angreifen können. Wer es besonders gut meint, kann die Zündkerzen entfernen und ein paar Tropfen Korrosionsschutzöl in die Zylinder spritzen. Damit sich das Öl an den Zylinderwänden verteilt, muss der Motor kurz durchdrehen, aber ohne anzuspringen sonst verbrennt das Öl ja wieder (dazu Zündanlage temporär stilllegen).
Der Benzin-Tank wird vollgetankt, so kann sich auch hier kein Kondenswasser bilden. Das Wasser würde Rost im Blechtank verursachen oder Korrosion in der Kraftstoffanlage. Die Zugabe von Kraftstoff-Stabilisierern ist bei einer Winterpause von einigen Monaten in der Regel nicht nötig. Bei längerfristigen Stilllegungen sollte der Sprit ohnehin lieber komplett aus Tank und Vergaser abgelassen werden.

Mit dem Warmlaufenlassen des Motors tut man dem Aggregat keinen Gefallen. Durch diese Prozedur werden zwar alle Komponenten kurzzeitig in Betrieb genommen, aber Motor und Öl erreichen die Betriebstemperatur nicht. Der Batterie wird die zum Starten entnommene Energie auch nicht wieder zugeführt. Der Energiespeicher sollte ohnehin lieber abgeklemmt, oder sogar ausgebaut werden, um unnötige Entladung zu vermeiden.
Optimal wäre der Anschluss der Batterie an ein „intelligentes“ Ladegerät. An einem solchen Mikroprozessor-gesteuerten Kfz-Ladegerät kann der Akku über die gesamte Wintersaison angeschlossen bleiben und ist zum Saisonstart in Top-Form.

Auch wenn der Oldtimer oder Youngtimer nicht im Winter gefahren wird und auch keinem Frost ausgesetzt wird, das Kühlsystem muss immer mit Kühlerfrostschutz befüllt sein. Glysantin (o.ä.) hat zusätzlich zum Frostschutz noch eine wichtige Schmierfunktion für die Wasserpumpe.

Winterquartier

Jetzt steht der Oldtimer in der Garage, aber bitte nicht die Handbremse anziehen. Die Seile können sich „längen“ und die Bremsen können durch Korrosion „festgehen“ und dann bewegt sich der Wagen zum Saisonstart erst mal keinen Millimeter.
Aber auch in der vermeintlich trockenen Garage ist Korrosion ein Thema für den eingemotteten Old- oder Youngtimer. Kondenswasser, das sich durch starke Temperaturschwankungen bildet, kann für Rost sorgen.
Es geht doch nichts über eine beheizbare Garage! Spaß beiseite, was in den 1960er Jahren fast üblich war, wird sich Otto-Normalverdiener heute kaum noch leisten wollen. Aber an zwei Stellen könnte man ohne großen Aufwand das Eindringen von Feuchtigkeit mit einem ölgetränkten Läppchen verhindern – das Auspuffendrohr und bei Vergaserfahrzeugen der Ansaugbereich des Luftfilters.

Die Räder


Durch die lange Standzeit können auch die Reifen Schaden nehmen. Es bilden sich unter Umständen sogenannte „Standplatten“. Was dazu führt, dass die Räder bei der ersten Ausfahrt im Frühjahr nicht mehr rund laufen. Abhilfe kann man hier ganz einfach durch die Erhöhung des Reifendrucks um 1 bar herbeiführen und/oder durch das Hin- und Herrollen des Wagens alle paar Wochen, um die Standfläche der Reifen zu verändern. Wer ganz sichergehen will, sollte seinen Klassiker auf sogenannte Reifenschuhe (Tire shoes) stellen. Diese Hartgummiklötze sind auf der Oberseite konvex geformt und passen sich so der ursprünglichen Reifenform an.

Und zu guter Letzt bekommt unser Liebling für den Winterschlaf noch einen „Überzieher“ verpasst. Diese AutoSchutzdecke schützt vor Staub und vor Kratzern. Das Car Cover sollte atmungsaktiv sein und innen ein weiches Flies aufweisen, damit so der gepflegte Lack vor Kratzern geschützt ist.

So gewappnet kann man sich jetzt schon auf die erste Ausfahrt im kommenden Frühling freuen und wird nach der Winterpause keine bösen Überraschungen erleben.
 

Text & Foto Reinhard Dutschke

 

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