Ledersitze

Neue Ledersitze für den Roadster

Ob als begehrenswertes Upgrade oder notwendiges Übel, Sitzbezüge aus Stoff halten nicht ewig und irgendwann sind sie fällig – dann stellt sich die Frage: neue Bezüge in Stoff oder Leder. In unserem Fall werden die Sitze eines 94er Mazda MX-5 Miata mit Leder bezogen.

Schon 1994 als der MX-5 Miata in Kanada bestellt wurde, sollte das „Leather-Package“ mit zur Ausstattung gehören. Aber wie so häufig, war das verfügbare Budget limitiert und so mussten die Stoffsitze 20 Jahre lang genügen. Zwar hatten Autosattlereien in den letzten Jahren eine gewisse Anziehungskraft, Gespräche wurden geführt, aber zur Auftragserteilung kam es bisher nie, wohl auch, da der Stoffbezug noch nicht verschlissen genug war, um die Sitze neu beziehen zu lassen. Nun ist es aber soweit, der Stoff des Fahrersitzes zeigt schon Abnutzungserscheinungen auf der Sitzfläche und an der Sitzwange am Einstieg. Die eigentlich schönen, griffigen und atmungsaktiven originalen Bezüge sind zwar noch nicht völlig hinüber, aber auf eine Reparatur wird verzichtet und eine komplette Belederung beider Sitze soll in Angriff genommen werden.

Leder ja, aber wie?

Das ein Sattler den Auftrag bekommt, war schon lange klar. Eigenarbeit wäre schon möglich, aber die im Internet angebotenen Ledersitzbezüge selbst aufzuziehen, entspricht nicht den Erwartungen an diese Maßnahme. So wurde weiter im Internet recherchiert, nach ortsansässigen Sattlereien, oder auch Möglichkeiten, die Sitze zu versenden und fix und fertig nach ein paar Wochen zurück zu erhalten. Aber die Auswahl war nicht einfach, da zum einen die Preisunterschiede für die Belederung erheblich sind und mit den Pilotensitzen der frühen Miata eine besondere Anforderung an den Sattler gestellt wurde. Ausschließlich für den amerikanischen „Miata“ hatte sich Mazda etwas besonderes einfallen lassen, um den Musikgenuss beim Offenfahren zu optimieren: Eine Audioanlage mit Lautsprechern nicht nur in den Türen, sondern auch in den Kopfstützen der Sitze! Die Lautsprecher sollen auf jeden Fall auch nach einer Belederung der Sitze erhalten bleiben, denn wer einmal Cabrio gefahren ist und den Musikgenuss erleben konnte, möchte darauf nicht mehr verzichten!
 

Auswahl der Sattler

Die preiswertesten Belederungen, für ca. 600 € pro Sitzpaar, werden in Polen genäht und über eine Niederlassung in Deutschland vermarktet und die Sitze bezogen. Telefonisch sollen Details zur Umsetzung geklärt werden. Der Ansprechpartner wirkt gehetzt und wenig entgegenkommend. Auf mein Stichwort „Kopfstützenlautsprecher“, winkt er ab – „Extralochung im Leder machen wir nicht!“ Für ihn war damit das Thema durch – für mich seine Dienstleistung auch!
 
Der nächste Kandidat, ein ortsansässiges Unternehmen, früher einmal mit eigener Lederfabrik und gerade in neue Räumlichkeiten umgezogen, machte eine guten Eindruck. Alle Wünsche könnten erfüllt werden, aber preislich wären mit Sitzheizung 1200 € zu kalkulieren, was das veranschlagte Budget mit 200 € übersteigt. Dann kam noch eine Empfehlung aus der Nachbarstadt und nach dem Besuch der Techno Classica in Essen bot sich auch noch ein Abstecher an, um ein persönliches Informationsgespräch vor Ort zu führen. Inhaber Michael Janke, Sattler-Meister in Essen, nahm sich die Zeit mit mir alle Fragen und Ideen durchzugehen. Auch die mögliche Umsetzung als BiColor Sitz hatte für mich schon seinen Reiz und wäre auch kein Neuland für Meister Janke, aber schließendlich geht nichts über Originalität.
 
Und so fällt die Entscheidung auf „uni“ schwarz. Die „Lederhaut“ wird von einem Lieferanten bezogen, der auch an Mercedes liefert. Sitz- und Rückenflächen erhalten gelochtes, leicht genarbtes Glattleder. An den Kopfstützen wird es ebenfalls verwendet, da hier bei dem US-Modell (Miata) zusätzliche Lautsprecher integriert sind und so der Schallaustritt gewährleistet ist. Die restlichen Bereiche der Sitzes werden mit der gleichen Lederart, aber in ungelochter Ausführung beledert. Um wenigstens einen kleinen farblichen Akzent zu setzen, schlägt Michael Janke eine umlaufende Doppelnaht mit Garn in Wagenfarbe, vor. Und da auch noch der Kostenvoranschlag in den Budgetrahmen passte, ging der Auftrag nach Essen.
Sommerfahrzeug mit Saisonkennzeichen hin oder her, wenn schon, dann bekommt der Lagunablue Metallic farbene MX-5 auch noch eine Carbon-Sitzheizung spendiert – für kühlere Tage, oder eine zartbesaitete Beifahrerin.
 

Details in der Zusammenfassung:


– „Mercedes“-Leder gelocht und ungelocht
– gelochtes Leder im Bereich der Kopfstützen-Lautsprecher
– verdeckt eingearbeitete Reißverschlüsse für ggf. Lautsprechertausch (wie im Original)
– zweistufige Carbon Sitzheizung
– Kartentaschen auf beiden Lehnenrückseiten
– umlaufende farbliche Doppelnaht
 

Beziehen der Sitze

Für die Fertigung wird kein Schnittmuster als Vorlage benutzt, sondern die original Bezüge werden aufgetrennt. Stück für Stück wird so jedes kleinste Detail reproduziert. Nur so kann sichergestellt werden, so Michael Janke, dass die Lederbezüge auch wirklich zu 100 % dem Original entsprechen. Desweiteren würde ein umfangreiches Schnittmuster-Archiv bald auch die neuen Räumlichkeiten an der Eisenbahnstrasse in Essen-Rellinghausen sprengen.
 
Das Ergebnis hat in Preis und Leistung überzeugt. Aber nicht nur beim Beledern ist die Sattlerei Janke in Essen erste Wahl auch wenn das Cabrio ein neues Verdeck benötigt, ist man hier an der richtigen Adresse – aber dazu später mehr.

 


 

Text: Reinhard Dutschke, Fotos: Autosattlerei Michael Janke

 

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