Gebrauchtwagenkauf Mazda MX-5

Nicht nur zur Frühjahrszeit kommen Cabriofans auf den Geschmack und die schon lange schlummernde Idee einen Roadster – sprich MX-5 zu kaufen, soll in die Tat umgesetzt werden. Das Angebot an gebrauchten Mazda MX-5 ist riesig, kein Wunder bei fast 1.000.000 weltweit verkauften Autos. Aber welcher Typ soll es sein – ein NA, NB oder NC und worauf muss man beim Gebrauchtwagenkauf eines Mazda MX-5 achten? Anhand gerade gemachter Erfahrungen bei der Suche und beim Kauf eines MX-5 haben wir einen kleinen Ratgeber zusammengestellt.

MX-5 Typ NA, NB oder NC?

Ob Schlaf- oder Mandelauge, oder ein MX-5 NC der laufenden Serie, die im Spätsommer 2015 abgelöst wird. – Welches Auto zu einem persönlich passt, sollte man als erstes ergründen. Der Typ NA, von 1998-1998 gebaut und inzwischen zum Youngtimer gereift, gilt als der Begründer des neuzeitlichen Roadster-Booms. Gute, unverbastelte Exemplare mit moderater Laufleistung und aus erster Hand sind inzwischen rar geworden und die Preise für solche Autos ziehen langsam an. Classicdata setzt einen 94er MX-5 mit der kraftvollen 131 PS Maschine im Zustand „2“ inzwischen schon mit 7.500 € an. Aber so ein „altes“ Auto, welches auch allein durch die Kunststoffheckscheibe eine fürsorglichen Umgang benötigt, ist nicht jedermanns Sache. Wie in unserem Fall war der NA zu alt, der NC (noch) zu teuer – somit sollte es ein NB werden. Die junge Dame deren Herz schon seit längerer Zeit für den MX-5 schlägt und jetzt endlich zuschlagen will, hat aber schon konkrete Vorstellungen, wie ihr neues altes Auto auszusehen hat. Ein NB-FL, also Facelift ab Ende 2000 sollte es sein, unverbastelt, schwarz oder dunkelblau evtl. auch silber und gerne mit Leder, aber natürlich mit Sitzheizung!

Auf die Suche, fertig, los…

Höchste Zeit, eine Woche vor Ostern, sich auf die Suche zu machen, denn der Run auf die Cabrios setzt ja gewöhnlich mit dem ersten warmen Wochenende ein, an dem die vielen Fans den „Offenfahrenden“ neidvolle Blicke hinterherwerfen. Also wird, was wohl kein schlechter Ratgeber ist, ein langjähriger MX-5 Fahrer gebeten, sich nach einem passenden Auto umzusehen. Bei Mobile.de ist die Auswahl am größten, so werden hier die Suchkriterien definiert, um den ersten Überblick über das aktuelle Angebot zu erhalten. 5000 € stehen zur Verfügung, unter 80.000 KM soll er gelaufen haben, scheckheftgepflegt, 1. Hand und im Radius von 100 km um den Wohnort. Was man in den Suchkriterien nicht eingeben kann: rostfrei und mit einwandfreiem Verdeck ist auch ein „MUSS“ beim Kauf eines gebrauchten Mazda MX-5.
Das Angebot sieht ganz ordentlich aus. Heraus sticht ein roter Garagenwagen Bj. 2000 aus erster „Liebhaberhand“, nur im Sommer gefahren, mit unglaublichen, aber belegbaren 32.000 km auf der Uhr. Aber ehe der Kontakt per E-Mail zustande kommt, ist das Schnäppchen schon verkauft. Der nächste interessante MX-5 ist ein Sondermodell Phoenix und steht bei einem Händler im 80 km entfernten Leverkusen. Auf die Frage nach Rost meint der Händler „Ein paar kleine Blasen rechts und links am Radlauf, die werden aber noch von uns gemacht.“ Da wird jetzt nicht lange gezögert, da der seltene silberne Mazda MX-5 Sondermodell „Phoenix“ mit braunen Ledersitzen, Sitzheizung, Überrollbügeln und etlichen weiteren Extras ausgestattet ist, würde er schon gut passen. Also los nach Leverkusen, denn den will man sich nicht auch noch vor der Nase wegschnappen lassen.

Oh je, was heißt denn hier gepflegt…?

Auf die wachsende Vorfreude in der einstündigen Anfahrt folgte eine kalte Dusche. Mein Gott, wie Bilder lügen können! Dem einst so stolzen Phoenix sah man aus der Nähe wirklich jedes Jahr an, welches er anscheinend unter der Laterne parken musste. Überall Rost – an des Radläufen dicke Rostblasen, an den Türen, an der Kofferraumklappe kleine Blasen, die bei Druck Wasser freigeben. Auch die Türschweller und die Schwellerenden waren angerostet, was ja typische Schwachstellen sind, aber bei diesem Auto waren die Schweller ganz offensichtlich schon mal komplett geschweißt worden. Der Innenraum sah nicht gepflegter aus. Die einst schönen braunen Ledersitze waren verschmutzt und der Fahrersitz an der Einstiegsflanke erheblich abgewetzt. Und das Verdeck – an den typischen Knickstellen waren auf beiden Seiten die Verdeck-Keder eingerissen, was eine baldige Verdeckerneuerung nötig macht. Nicht aber nach der Meinung des Händlers: „Hier würde ich nicht das komplette Verdeck erneuern, da kann bestimmt ein Sattler reparieren!“ Bestimmt nicht …!
Wieder in unserem Auto sitzend wird telefonisch der nächste Besichtigungstermin gemacht. In Gelsenkirchen steht ein 1,6 Liter in dunkelblau Metallic für 4.900 € sogar mit Hardtop. Die Fotos sind nicht gerade professionell aufgenommen und nicht von besonders großer Aussagekraft, aber sie lassen hoffen da die Farbe gefällt. Und so werden am Telefon die entsprechende Fragen nach Pflege- und Wartungszustand sowie Rost und Verdeck gestellt. Alles super, so der private Verkäufer. Leider können wir das am Folgetag bei unserer Besichtigung nicht umfassend bestätigen. Der Lack macht einen leicht matten Eindruck, das Verdeck versteckt sich unter dem Hardtop. Die Rostinspektion lässt aber nichts zu wünschen übrig, aber wirkliche Pflege sieht anders aus. Beim obligatorischen Griff in die Falz des hinteren Kotflügels rieselt Erdreich, mit dem man einen kleinen Blumentopf füllen könnte, auf’s Hinterrad. Dann noch das Hardtop mit dem Verkäufer abgenommen, um nach dem Verdeck zu sehen. Auch bei diesem Exemplar waren die Keder an den üblichen Knickstellen eingerissen. Auch machte es nicht gerade einen sauberen, gepflegten Eindruck – dass passte ja zum Gesamteindruck des Wagens.
Aber Gott sei Dank steigt der junge Mann nicht auf unser Angebot von 4.200 € ein, denn dann hätten wir uns den schwarze NB FL von 12/2000 in Lünen nicht mehr angesehen.

Alle guten Dinge sind Drei!

Inzwischen war es Ostermontag, kein üblicher Tag für eine Gebrauchtwagenbesichtigung, aber die Straßen sind frei und so haben wir zügig die 90 km Anfahrt hinter uns gebracht. Der Verkäufer, um die 50 Jahre alt, führt uns in den Garten seines gepflegten Einfamilienhauses und was wir dort erblicken, beeindruckt uns schon. Eine Doppelgarage mit Glastüren, hinter denen zwei schwarze MX-5 NB-FL stehen. Der Lack tiefschwarz und mit beachtlichem Spiegelglanz. Noch bevor der MX-5, der zum Verkauf steht, aus der Garage gefahren wird, greife ich wie automatisch in die Kotflügelfalz und was kommt zum Vorschein – nichts! Aha, ein wirklich gepflegtes Auto. Die Schwellerenden sind rostfrei, weil schon gemacht – aber so professionell, daß man das nicht erahnt hätte, wenn der Verkäufer nicht darauf hingewiesen hätte. Auch an einer Hohlraumkonservierung wurde nicht gespart. Der erste gute Eindruck setzt sich unter der Motorhaube fort. Keine nennenswerte Korrosion, noch nicht mal die Befestigungsstreben des Kühlers, die bei fast allen NB angerostet sind, hat die braune Pest angegriffen. Dicht ist er auch, keine feuchten Stellen z.B. an der Zylinderkopfdichtung oder an der Wasserpunpe. Auch die Bremsen sehen gut aus. Genügend Belagstärke, nur ein minimaler Grat an den Bremsscheiben und auch die hinteren Bremssättel sehen noch passabel aus, d.h. sie sind nur leicht korrodiert und sollten somit noch gängig sein. Die Felgen sind frei von Bordsteinkontakten und die Reifen wurden im letzten Jahr erneuert.

Nun zum Innenraum – die Kunstoffteile sind durchweg unbeschädigt und man sieht, dass ihnen Kunststoff-Pflegemittel nicht vorenthalten worden sind. Die schwarzen Ledersitze könnten noch etwas Zuwendung vertragen, aber auch hier sind keine Schadstellen vorhanden und auch das Vinyl-Verdeck ist in einem tadellosen Zustand.
Zum Abschluss der Bestandsaufnahme, der Endschalldämpfer – hier wurde vor einem Jahr das Originalteil gegen einen zweiflutigen Edelstahlendtopf getauscht, der die sportliche Note des MX-5 unterstreicht, ohne aber aufdringlich laut zu sein. mx5-hilkeDie Entscheidung fällt wirklich leicht, hier eine Kaufempfehlung auszusprechen.
Nun lag es an dem Charme und Verhandlungs- geschick der jungen Dame, den geforderten Preis von 5.499 € auf ihr Limit von 5.000 € zu drücken, was aber schnell gelang, da die Persenning fehlte, die Inspektion fällig war und nur ein Schlüssel vorhanden ist.

Die Cabrio Saison kann nun beginnen, für einen weiteren Fan des kleinen Japanischen Roadster.

Text: Reinhard Dutschke Foto: Hildebrandt/Lorenz

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