Bugatti-Sammlung-Schlumpf

Bugatti Sammlung Schlumpf

Ein Museum der besonderen Art stellt die „Sammlung Schlumpf“ in Mülhausen dar. Nicht nur der geschichtliche Hintergrund über die Entstehung des weltgrößten Automobil-Museums im Elsass interessiert, im Vordergrund stehen natürlich die über 400 Automobil Exponate, vorwiegend Bugatti aus den Anfängen der Automobilisierung.

Die Gebrüder Schlumpf

Die Brüder Fritz und Hans steigen 1928 bzw. 1929 in die Textilbranche ein. Zuerst als Wollmarkler, ab 1935 beteiligen sie sich an Wollspinnereien um ab 1940 die ersten Firmen ihr Eigen nennen zu können. Der Rubel mit den Spinnereien rollt und insbesondere der ältere Fritz entwickelt seine Leidenschaft für die Automobilmarke Bugatti. Als Rallye-Fahrer versucht sich Fritz 1938 auf einem Bugatti Typ 35. Nach und nach gelangen einzelne Bugatti’s in den Besitz der Wahl-Elsässer mit Schweizer Pass. Aber erst in den Jahren 1961 – 1963 ist Fritz, fast wie im Wahn, davon getrieben Bugatti’s aus aller Welt wieder zurück ins Elsass zu holen, wo sie einst gebaut wurden. Gekauft wird alles, was die Initialen von Ettore Bugatti trägt und in einem halbwegs passablen Zustand ist. Ist erst einmal ein Objekt der Begierde identifiziert, beweist Schlumpf nicht gerade lagen Atem bei den Preisverhandlungen. Er zahlt zwar nicht jeden Preis, setzt aber auch schon mal seinen neuen Mercedes 300 erfolgreich als Tauschobjekt ein. Und so wandern immer mehr Bugatti und Klassiker anderer Marken in die geheimen Hallen der Gebrüder Schlumpf.

Musée Schlumpf

Erst im Mai 1965 wird das Geheimnis gelüftet, als in der Zeitung „L’Alsace“ der erste Artikel über die einzigartige Sammlung Schlumpf veröffentlicht wird. Bis dato wurde nur handverlesenen Personen der Zutritt zum „Allerheiligsten“ gestattet. Nun beginnen die Brüder Schlumpf sich um eine ansprechende Präsentation der kostbaren Fahrzeuge zu kümmern – die Idee zum „Musée Schlumpf“ ist geboren. Als Location werden Lagerhallen der Spinnerei hergerichtet. Aber auch diese Aktion nimmt wieder überdimensionale Ausmaße an. So entsteht ein 17.000 m² großer Ausstellungsraum, der in 23 „Straßenblöcke“ unterteilt wird und so auf eine Gesamtlänge von 3 km kommt. Aber auch an den Fahrzeugen wird gearbeitet, wofür eine eigene Werkstatt am Hallenrand eingerichtet wird. Hier kümmern sich 17 Handwerker um die Restaurierung der seltenen Oldtimer.

Niedergang des Imperiums Schlumpf

Über diese ausufernde Sammelleidenschaft vergessen die beiden Brüder ihr Kerngeschäft, mit dem sie eigentlich das Geld für ihr kostspieliges Hobby erwirtschaften wollen. Als 1976 eine große Krise über die Textilbranche hereinbricht, sind die Unternehmen der Brüder Schlumpf am Markt nicht mehr konkurrenzfähig. Innerhalb von 10 Jahren waren 12 Millionen Franc in die Oldtimer-Leidenschaft geflossen, die dringend für die Modernisierung der Schlumpfschen Firmen benötigt worden wären. Als ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung bevorstand, versuchen die Brüder Schlumpf ihre Unternehmen noch zu einem symbolischen Preis von einem Franc zu verkaufen – aber ohne Erfolg. Ende 1976 entziehen sich Fritz und Hans Schlumpf der französischen Justiz, in dem sie sich in die Schweiz absetzen. Als schweizer Staatsbürger brauchen sie sich zwar keine Gedanken über eine mögliche Auslieferung an Frankreich zu machen – ihr legändäres „Musée Schlumpf“ werden sie aber nie mehr besuchen können.

Die neue Sammlung Schlumpf

1979 bestätigt das Berufungsgericht Colmar die Ausweitung der Liquidation auf die persönlichen Vermögensgegenstände der Brüder Schlumpf, einschließlich der auf Werkskosten restaurierten
Automobilsammlung. 1981 kauft die Association Propriétaire du Musée National de l’Automobile (Eigentümervereinigung des nationalen Automobilmuseums) die Sammlung Schlumpf auf und schon ein Jahr später eröffnet das >b>Musée national (Nationales Automobilmuseum) in erweiterten Räumlichkeiten. Im Juli 2006 ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Sammlung Schlumpf erreicht. Die Ausstellungsbereiche wurden weiter vergrößert und modernisiert, somit das das Museum sein heutiges Gesicht und seinen heutigen Namen bekommen: Cité de l’Automobile – Musée national – Collection Schlumpf

437 Automobile von fast 100 verschiedenen Herstellern werden in der ehemalige Mülhausener Wollspinnerei ausgestellt – mit der Architektur des 19. Jahrhunderts passen auch die Räumlichkeiten hervorragend zu den Exponaten. Abenteuer, Rennen, Meisterwerke und Bugatti Veyron sind einige der Themen-Bereiche nach denen die Fahrzeuge gruppiert sind.
Begeisterte Besucher des Automobilmuseum „Cité de l’Automobile“ sprechen gerne als „Louvre des Automobils“ über diese weltweit einzigartige Bugatti Sammlung Schlumpf.
Aber die Collection Schlumpf bietet noch mehr. Inzwischen zielt das Angebot an Themenbereichen und Exponaten über die reine Oldtimerausstellung hinaus auf die Unterhaltung der ganzen Familie.

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Fotos: Nationales Automobilmuseum (F) – Sammlung Schlumpf
Text: Reinhard Dutschke

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